Raumfahrt

Geschichte der Raumfahrt

In den Fünfzigern herrschte die Meinung, dass der Staat, dem es gelänge ständige, v.a. bemannte Flüge ins All zu
unternehmen, auch die Herrschaft über die Welt übernehmen werde. So erklärt sich die Bestürzung, mit der in den USA
der Start des sowjetischen Sputnik aufgenommen wurde. Er flog in einer elliptischen Bahn um die Erde, die zwischen 228
km und 947 km Höhe schwankte. Das Rennen um die Vorherrschaft im Weltraum hatte begonnen. Die Sowjetunion
unterstrich ihren Vorsprung indem sie schon einen Monat später die Hündin Laika ins Weltall schoss, die offiziell eine
Woche lang die Erde umkreiste, in Wirklichkeit wurde Laika schon kurz nach ihrem Start Opfer der riesigen Hitze in der
Kapsel.
Dem amerikanischen Satellit Vanguard dagegen gelang es 1957 nicht, mit einer Weltraumrakete den Boden zu verlassen,
sie explodierte beim Start. Erst im Januar 1958 brachten sie ihren ersten Satelliten, Explorer 1 in den luftleeren Raum. Er
übermittelte aber wertvolle wissenschaftliche Daten. Der nächste Erfolg der Sowjets bestand in den Lunik-Sonden, es
handelte sich dabei um unbemannte Mondsonden. Die wichtigste von ihnen ist Lunik 3, die zum ersten Mal Fotographien
der Mondrückseite machte. Zu allem Überfluss brachten die UdSSR auch noch den ersten Menschen ins All: Juri
Alexejewitsch Gagarin, der am 12. April 1961 die Erde umkreiste. Wieder konnten die Amerikaner erst ein Jahr später,
1962, selbst einen Menschen, John Glenn, in die Erdumlaufbahn schicken.
Doch nun begannen die Amerikaner ihre Anstrengungen zu verdoppeln: Am 25. Mai 1961 erklärte der damalige Präsident
J.F. Kennedy: “… noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und wieder sicher zur Erde
zurückzubringen.” Es begann der Wettlauf zum Mond, es war das Rennen zweier politischer Systeme, welches allein auf
amerikanischer Seite fast 25 Milliarden damalige Dollar kosten sollte. Auf dem Höhepunkt des Apollo Programms waren
eine halbe Million Menschen in irgendeiner Weise daran beteiligt. Um Zeit zu sparen, wurden die Tests auf das
notwendigste beschränkt, was 1967 zu tragischen Zwischenfällen führte. Drei Astronauten verbrannten in ihrer Kapsel bei
einer Startsimulation und der Russe Komarow stürzte ungebremst auf die Erde, weil sein Fallschirm sich nicht richtig
öffnete. Trotzdem gelang es den USA bereits mit Apollo 8 drei Menschen in den Weihnachtstagen 1968, den Mond zu
umkreisen zu lassen.
Am 20.07.1969, um 21:18 Uhr MEZ landete dann schließlich Apollo 11 auf dem Mond, um 03:26:20 Uhr, am darauf
folgenden Tag, stieg Neil Armstrong aus der Mondfähre, 20 Minuten nach ihm Edwin Aldrin. Die ARD übertrug das Ereignis
28 Stunden lang live. Die amerikanische Flagge wurde auf dem Mond gehisst, kaum jemanden wäre in den Sinn
gekommen, vielleicht eine internationale Flagge wie die der Vereinten Nationen zu hissen – schade!, die Amerikaner waren
der Meinung, dass sie auch das Recht hätten, ihre Flagge aufzuziehen, solange sie für die Mission bezahlten.
Einen Tag nach der Landung von Apollo 11 zerschellte die sowjetische Lunik 15 auf dem Erdtrabanten, sie hätte
automatisch Mondgestein zurück zur Erde bringen sollen, was erst ein Jahr später mit Lunik 16 gelang. Es half nichts, trotz
ferngesteuerter Autos auf dem Mond, das Rennen um die Mondlandung hatten sie verloren. Es durfte nie ein sowjetischer
Kosmonaut um den Mond fliegen, geschweige denn auf ihm landen. Für die USA standen jetzt andere Punkte im
Vordergrund, der Vietnam Krieg tobte und so drosselten sie die Ausgaben für die NASA. Nach der beinahe Katastrophe von
Apollo 13 wurde das Budget auf ein Drittel zusammengestrichen. Doch die Sowjetunion konzentrierte sich nach dem
verlorenen Rennen um die Mondlandung darauf, eine ständig bewohnte Raumstation in den Orbit zu bringen, 1971 wurde
die erste Raumstation, Saljut 1, in eine Umlaufbahn gebracht. Sie hatte ein Gewicht von 19 Tonnen und der bewohnbare
Innenraum betrug 100 m3. Ihre ersten 3 Bewohner erstickten beim Heimflug zurück auf die Erde. Auch die NASA probierte
sich nun an einer Raumstation, doch sie hatte anfänglich wenig Glück: Skylab wurde beschädigt beim Start. Die erste von 3
Mannschaften konnte sie aber erfolgreich reparieren. Die wissenschaftlichen Ergebnisse, welche v.a. durch das eingebaute
Sonnenteleskop gewonnen wurden, galten als sehr wertvoll.
Die USA schickten nun eine Reihe von unbemannten Sonden ins Weltall, darunter auch die ersten Sonden, die erfolgreich
auf dem Mars landeten: die Viking-Sonden. Doch alle diese Sonden brachten nur die Ernüchterung, dass wir wohl allein
sind, sie funkten nur Bilder einer zwar sehr geheimnisvollen, aber toten Landschaft zur Erde. 1977 starteten die beiden USSonden
Voyager 1 & 2. Sie besuchten nacheinander Jupiter und Saturn und übermittelten eindrückliche Bilder. Voyager 2
flog weiter zu Uranus (1986) und Neptun (1989). Beide haben unser Sonnensystem längst verlassen. 1981 starteten die
Amerikaner ihr erstes Space Shuttle, das erste Raumschiff, das mehrmals gebraucht werden kann. Es wurde aufgrund
seiner Wiederverwendbarkeit als besonders kostengünstig gepriesen, doch am Ende verschlang auch dieses Projekt über
zehn Milliarden Dollar und war kaum günstiger als die nur einmal verwendbaren Kapseln. Am 28. Januar 1986 explodierte
eines dieser Raumschiffe mit dem Namen Challenger. Bei der Explosion kamen 7 Astronauten ums Leben. Die NASA hatte
den Start trotz eisiger Temperaturen genehmigt. Im Abschlußbericht wurde festgestellt, dass ein kältespröder
Dichtungsring die Katastrophe verursacht hatte. Das letzte große Projekt der Russen bestand aus der Mir. Die russische
Raumstation wurde am 19.02.1986 gestartet, wurde in den folgenden Jahren ausgebaut und bekam Besuch von vielen
Raumfahrern aus verschiedenen Nationen. Auch das Space Shuttle dockte mehrere Mal an ihr an. Sie umkreiste bis 2001
die Erde.
Im Jahr 1984 kündigte Präsident Reagan erstmals nach Skylab ein amerikanisch geführtes Programm für eine Raumstation
an. Schon zum damaligen Zeitpunkt lud er andere Staaten zur Zusammenarbeit ein. Kanada, Europa und Japan folgten
dieser Einladung und wollten an der Station mitarbeiten. Führungsschwächen der NASA, allgemein schlechtes Ansehen der
bemannten Raumfahrt und die Ebbe in den amerikanischen Kassen führten aber immer wieder zu Diskussionen über eine
Einstellung des gesamten Projekts. Mehrere Kongress-Abstimmungen schrammten nur knapp an dieser Entscheidung
vorbei. Doch letztendlich hatten die internationalen Partner schon zuviel investiert, als dass Amerika die Station ohne
Gesichtsverlust hätte einstellen können. Trotzdem wurde sie in den folgenden Jahren immer wieder umkonstruiert, stets
auf der Suche nach einer kostengünstigeren Variante. Viele Milliarden wurden letztendlich allein dafür ausgegeben. Nach
dem Fall des “Eisernen Vorhangs” schloss sich 1993 auch Russland diesem Vorhaben an. Die eigenen Pläne zur MIR2-
Station wurden von Russland verworfen. Um den ständigen Veränderungen Rechnung zu tragen, wurde 1998 ein sog.
“Intergovernmental Agreement” unterzeichnet in dem alle fünf beteiligten Partner die Ziele neu definierten. Die beiden
grössten Partner des Projektes sind die USA und Russland. Aus diesem Grund werden sie sich auch das Kommando auf der
Station teilen. Die internationale Weltraumstation hätte im Jahr 2004/2005 fertiggestellt und zukünftig permanent von
sieben Crewmitgliedern bewohnt werden sollen. Zur Vorbereitung des Projektes wurden zunächst die technischen
Voraussetzungen zur internationalen Zusammenarbeit geschaffen. Das amerikanische Space Shuttle Atlantis führte dazu
mit der russischen Weltraumstation MIR mehrere Koppelungen. Ausserdem machten sich die russischen Kosmonauten und
die amerikanischen Astronauten mit der Technik der jeweils anderen Raumfahrernation vertraut. Die ersten Module der
Station wurden 1998 gestartet und funktionierten bis auf kleinere Fehler reibungslos.Die ISS wird in ihrer endgültigen
Ausbaustufe beeindruckende Masse aufweisen. Ihre Spannweite wird über 100 m betragen. Am Boden würde die ISS so
rund 500 Tonnen auf die Waage bringen. Sie sollte nachts von der Erde aus mit blossem Auge, als hellstes Objekt am
Himmel sichtbar sein. Die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Station wurden vorsichtig auf 100 Milliarden US$
geschätzt. Der Bau wurde aber durch das Verglühen der Raumfähre Columbia, am 1. Februar 2003, verzögert. Es sehr
ungewiss, ob die Station noch bis in ihr endgültiges Stadium ausgebaut wird. Die Space Shuttles werden nur noch bis ins
Jahr 2010 fliegen und danach vom neuen System Ares 1/ Orion abgelöst werden. In diesem Herbst sollte das europäische
Modul Kolumbus an die ISS angedockt werden.
Im Januar 2004 kündete US-Präsident G.W. Bush das Ziel an bis zum Jahre 2018 wieder bemannt zum Mond
zurückzukehren und neue Raumschiffe und Rakete zu entwickeln, die eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond und später
auch auf dem Planeten Mars ermöglichten. Das Raumschiff Orion gleicht stark der Apollo-Kapsel, ist aber um einiges
Grösser. Die Rakete Ares 1 startet bemannt und kann bis 6 Astronauten zur ISS transportieren. Ares 5 startet unbemannt,
hat ähnliche Ausmasse wie die Mondrakete. Sie transportiert die Mondtransferstufe und den Mondlader in die
Erdumlaufbahn. Für den zukünftigen Mondflug werden dort beide Raumschiffe zusammendocken.